Implied Move: Erwartete Kursbewegung zu den Quartalszahlen

Der Optionsmarkt verrät wie stark eine Aktie nach den Zahlen schwanken dürfte. Wie man den Implied Move berechnet und was er über die Erwartungen aussagt.

Implied Move: Erwartete Kursbewegung zu den Quartalszahlen

Der Begriff Implied Move (deutsch: implizierte Bewegung) beschreibt die vom Optionsmarkt erwartete prozentuale oder absolute Kursbewegung einer Aktie um ein bestimmtes, volatiles Ereignis herum. Besonders häufig findet diese Kennzahl in der Kategorie Analyse & Kontext im Vorfeld von Quartalszahlen (Earnings) oder wichtigen Notenbanksitzungen Anwendung. Sie signalisiert Marktteilnehmern, mit welcher Schwankungsbreite die professionellen Händler rechnen.

Wichtig für Anleger zu wissen: Der Implied Move liefert kein Richtungssignal. Er prognostiziert weder steigende noch fallende Kurse, sondern definiert lediglich die statistisch erwartete Größenordnung der Kursbewegung nach oben oder unten.

Berechnung: Die Faustformel über den ATM-Straddle

In der Praxis lässt sich der Implied Move mithilfe einer einfachen Faustformel schnell näherungsweise berechnen. Dazu wird der Preis eines sogenannten At-the-Money-Straddles (ATM) herangezogen. Ein Straddle besteht aus dem gleichzeitigen Kauf einer Kaufoption (Call) und einer Verkaufsoption (Put) am Geld, die am ersten Freitag nach dem Ereignis verfallen.

  • Faustformel: $\text{Implied Move (%)} = \frac{\text{Preis des ATM-Calls} + \text{Preis des ATM-Puts}}{\text{Aktueller Aktienkurs}} \times 100$

Beispiel: Eine Aktie notiert bei 100 Euro. Der ATM-Call kostet 4 Euro, der ATM-Put ebenfalls 4 Euro. Der Straddle-Preis liegt somit bei 8 Euro. Geteilt durch den Aktienkurs ergibt sich ein Implied Move von 8 Prozent. Der Optionsmarkt erwartet also, dass die Aktie nach den Zahlen in einer Spanne zwischen 92 Euro und 108 Euro schwanken wird.

Interpretation: Marktpsychologie und das Verhalten nach den Zahlen

Die Höhe der Optionsprämien und der daraus resultierende Implied Move spiegeln direkt die Unsicherheit des Marktes wider. Je höher die Prämien, desto größer ist die Angst vor einer unvorhersehbaren Reaktion und desto höher ist der Implied Move.

Nach der Bekanntgabe der Quartalszahlen kommt es an den Märkten zum Abgleich der Erwartung mit der Realität:

  • Tatsächliche Bewegung < Implied Move: Bleibt die tatsächliche Kursreaktion hinter den Erwartungen zurück, fällt die implizite Volatilität rapide ab (sog. Volatility Crush). In diesem Szenario verlieren Optionen extrem schnell an Wert, wovon vor allem Stillhalter (Verkäufer von Optionen) profitieren.
  • Tatsächliche Bewegung > Implied Move: Übertrifft die reale Kursbewegung die Erwartung deutlich (z. B. durch eine extreme positive Überraschung), war das Risiko unterbewertet. Käufer von Optionen erzielen in diesem Fall überproportionale Gewinne.

Fazit

Der Implied Move ist ein unverzichtbares Analysewerkzeug für das Risikomanagement. Er zeigt Anlegern auf, ob die Erwartungshaltung des Marktes bereits überhitzt ist oder ob Optionen im historischen Vergleich günstig bewertet sind, um sich gegen unvorhergesehene Kurssprünge abzusichern.

Verwandte Begriffe

Diesen Beitrag zitieren

Quartalszahlen.info: „Implied Move: Erwartete Kursbewegung zu den Quartalszahlen“. Abgerufen am 27. August 2026. https://quartalszahlen.info/lexicon/implied-move-earnings

Diese Definition einbetten

Erklärst du diesen Begriff in einem Blogartikel oder Forum? Bette diese Karte ein.