Was sind Quartalszahlen?
Quartalszahlen sind die finanziellen Ergebnisse, die börsennotierte Unternehmen alle drei Monate (quartalsweise) veröffentlichen. Sie umfassen typischerweise Umsatz, Gewinn (EPS), operative Marge, Cashflow und weitere Kennzahlen zur Geschäftsentwicklung. Anders als der jährliche Geschäftsbericht, der testiert und deutlich umfangreicher ist, sind Quartalszahlen ein kompakteres, meist ungeprüftes Zwischenupdate – veröffentlicht als Pressemitteilung, Kurzbericht und begleitender Earnings Call. Das vierte Quartal (Q4) fällt oft umfangreicher aus, weil es zusammen mit dem testierten Jahresabschluss veröffentlicht wird. Für börsennotierte Unternehmen ist die regelmäßige Offenlegung Teil der Transparenzpflichten gegenüber Börse und Aufsichtsbehörden, die in der Regel mit dem Börsengang (IPO) beginnt: Investoren sollen zeitnah nachvollziehen können, wie sich Umsatz und Gewinn im Vergleich zum Vorquartal und zum Vorjahresquartal entwickelt haben. Analysten vergleichen die veröffentlichten Zahlen meist mit vorab abgegebenen Konsensschätzungen; weichen die tatsächlichen Ergebnisse deutlich davon ab, spricht man von einem Earnings Beat oder Miss.
Wann werden Quartalszahlen veröffentlicht?
Quartalszahlen werden in der Regel 2-6 Wochen nach Ende des Quartals veröffentlicht. In den USA gibt die SEC feste Fristen vor: Large Accelerated Filer und Accelerated Filer müssen ihr Form 10-Q innerhalb von 40 Tagen einreichen, kleinere Unternehmen (Non-Accelerated Filer) haben 45 Tage Zeit. In Europa variieren die Fristen je nach Börsensegment und Land, viele DAX- und Euro-Stoxx-Unternehmen berichten aber freiwillig in ähnlichen Zeitfenstern, um Investorenerwartungen zu erfüllen. Die meisten Unternehmen veröffentlichen ihre Ergebnisse gezielt vorbörslich oder nachbörslich, also außerhalb der regulären Handelszeiten, um den Handel während der Verarbeitung der neuen Informationen nicht zu stören. In den Wochen davor gilt bei vielen Unternehmen zudem eine sogenannte Quiet Period, in der Investor-Kommunikation eingeschränkt wird. Der konkrete Termin wird meist mehrere Wochen im Voraus über die Investor-Relations-Seite angekündigt und lässt sich über Kalender wie Quartalszahlen.info verfolgen.
Welche Unternehmen veröffentlichen ihre Quartalszahlen?
Alle börsennotierten Unternehmen sind gegenüber ihrer Börse und den zuständigen Aufsichtsbehörden zur regelmäßigen Offenlegung ihrer Quartalszahlen verpflichtet – das betrifft DAX-Unternehmen ebenso wie S&P-500-Konzerne, Tech-Giganten wie Apple, Google oder Microsoft und Tausende kleinere Unternehmen an Börsen weltweit. Diese Pflicht beginnt in der Regel mit dem Börsengang (IPO) und bleibt bestehen, solange die Aktie notiert ist; nach einem Delisting, etwa im Rahmen einer Übernahme, entfällt sie wieder. Nicht börsennotierte (private) Unternehmen unterliegen ihr dagegen nicht, da sie keine öffentlichen Aktionäre zu informieren haben. In den USA schreibt die SEC den quartalsweisen Bericht (Form 10-Q) für alle bei ihr registrierten Emittenten verbindlich vor. In der EU wurde die verpflichtende Zwischenberichterstattung 2013 gelockert, dennoch berichten die meisten großen europäischen Unternehmen weiterhin freiwillig quartalsweise, weil institutionelle Investoren und Analysten diese Regelmäßigkeit für ihre Bewertungsmodelle erwarten. Insgesamt verfolgt Quartalszahlen.info die Termine von rund 7.700 Unternehmen weltweit.
Was ist der Unterschied zwischen vorbörslich und nachbörslich?
Vorbörslich bedeutet, dass Quartalszahlen vor Börsenöffnung veröffentlicht werden – in den USA meist zwischen 6:00 und 9:30 Uhr New Yorker Zeit, häufig genutzt von Einzelhandels- und Industrieunternehmen. Nachbörslich heißt, die Veröffentlichung erfolgt nach Handelsschluss, üblicherweise ab 16:00 Uhr New Yorker Zeit (entspricht ca. 22:00 Uhr deutscher Zeit) – dieses Fenster wählen besonders viele große Tech-Unternehmen wie Apple, Microsoft oder NVIDIA. Der Grund für beide Praktiken ist derselbe: Der reguläre Handel soll nicht durch abrupte Kursausschläge unmittelbar nach der Veröffentlichung gestört werden. Meist folgt kurz danach, oft am selben Tag, ein Earnings Call, in dem das Management die Zahlen erläutert und Fragen von Analysten beantwortet. Anleger können trotzdem im vor- und nachbörslichen Handel (Extended Hours Trading) reagieren, bevor die reguläre Sitzung beginnt beziehungsweise nachdem sie geschlossen hat; die Kursbewegungen in dieser Phase sind wegen des geringeren Handelsvolumens oft stärker als im regulären Handel.
Wie kann ich die Quartalszahlen verfolgen?
Sie können Quartalszahlen auf mehreren Wegen verfolgen: über die Investor-Relations-Seite des jeweiligen Unternehmens, über klassische Finanzportale und Börsen-Apps, oder über spezialisierte Kalender wie Quartalszahlen.info, die alle wichtigen Termine für rund 7.700 Unternehmen weltweit übersichtlich darstellen. Auf jeder Unternehmensseite und in der Wochenübersicht lässt sich außerdem der Button „Im Kalender abonnieren“ nutzen, um Termine automatisch zu Google Kalender, Apple Kalender oder Outlook hinzuzufügen – Änderungen an bestätigten Terminen aktualisieren sich dabei automatisch. Mit einem kostenlosen Nutzerkonto lassen sich Unternehmen zusätzlich auf eine persönliche Watchlist legen und per Push-Benachrichtigung an bevorstehende Termine erinnern. Wer lieber passiv informiert werden möchte, kann stattdessen den RSS-Feed mit der wöchentlichen Terminvorschau abonnieren, ohne sich anzumelden. Quartalszahlen.info selbst ist auf Deutsch, Englisch, Schwedisch, Niederländisch und Norwegisch verfügbar – praktisch für internationale Anleger, die den Kalender nicht nur auf Deutsch nutzen möchten.
Warum sind Quartalszahlen für Anleger wichtig?
Quartalszahlen geben Anlegern einen zeitnahen Einblick in die aktuelle Geschäftsentwicklung eines Unternehmens, lange bevor der nächste Jahresbericht erscheint. Sie zeigen Trends bei Umsatz und Gewinn auf, ermöglichen den Vergleich mit dem Vorquartal und dem Vorjahresquartal und liefern damit die Datenbasis für gängige Bewertungskennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das direkt vom aktuellen Gewinn je Aktie (EPS) abhängt. Aus den letzten vier Quartalen lässt sich zudem das Trailing-Twelve-Months-Ergebnis (TTM) bilden, das viele Analysten für Bewertungen bevorzugen, weil es Saisoneffekte einzelner Quartale ausgleicht. Weicht das tatsächliche Ergebnis von den vorab veröffentlichten Analystenschätzungen ab (Earnings Beat oder Miss), reagiert der Aktienkurs häufig unmittelbar und teils stark. Mindestens ebenso wichtig wie die reinen Zahlen ist oft die Guidance, also der Unternehmensausblick für die kommenden Quartale – sie beeinflusst die Kursreaktion nicht selten sogar stärker als das vergangene Quartal selbst.